First Responder

First Responder oder Ersthelfer oder Helfer vor Ort, eine Idee, die ursprünglich in den USA entstanden ist, da der Rettungsdienst gerade im ländlichen Bereich oftmals weite Wege zum Einsatzort zurückzulegen hat. Die Aufgabe des First Responder besteht darin, das therapiefreie Intervall, d.h. die Zeit zwischen dem Eintreten des medizinischen Notfalls bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Einsatzort, mit geschulten medizinischen Basismaßnahmen zu überbrücken. Der First Responder trifft in der Regel im Gemeindebereich Hallbergmoos meist vor dem Rettungsdienst ein und kann so bereits frühzeitig beginnen, den Patienten medizinisch zu versorgen. Der First Responder wird durch die Leitstelle Erding bei jeder akut lebensbedrohlichen Verletzung oder Erkrankung zusätzlich zum Rettungsdienst und Notarzt alarmiert.

 

Hierzu zählen Indikationen wie z.B.:

  • Atemstörungen
  • Bewusstlosigkeit 
  • Großflächige Verbrennungen, Verbrühungen und Verätzungen
  • Kindernotfälle wie z.B. Krupp-Anfall und Fieberkrampf  
  • Intoxikationen 
  • Herzinfarkt
  • Reanimation
  • Schlaganfall
  • Stromunfälle
  • Sturz aus großer Höhe (> 3 Meter)
  • Eingeklemmte oder verschüttete Personen
  • Verkehrsunfälle

Hier ist zu erwähnen, dass die Versorgung von medizinischen Notfällen keine gesetzliche Aufgabe der Feuerwehren darstellt und deshalb auch keine Finanzierung von staatlicher Seite zu erwarten war.

Der First Responder ist auch nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Rettungsdienste zu sehen, sondern versteht sich als Ergänzung der Rettungskette. Muss der Patient in ein Krankenhaus, übernimmt immer der Rettungswagen den Transport. Die aufgewandten Leistungen und Materialien der Feuerwehr können nicht über die Krankenkassen abgerechnet werden.

 

Im Jahr 2007 gab es bei der Feuerwehr Goldach die ersten Überlegungen für eine First Responder Einheit. Mit einem Konzept, das im Kern die Punkte Qualifikation, Ausrüstung und Alarmierung beinhaltete, konnten der damalige Kommandant Helmut Ecker und sein Stellvertreter Stephan Zobel den Gemeinderat im März 2008 davon überzeugen, den First Responder Dienst in einer halbjährigen Testphase in Betrieb zu nehmen.

Im April 2008 wurde der Dienst in die Alarmierung aufgenommen und kam bereits in der ersten Nacht zwei Mal zum Einsatz. Nach einem Erfahrungsbericht an den Gemeinderat und kleinen Konzeptverbesserungen seitens der Feuerwehr wurde dann im Dezember 2008 der dauerhafte Betrieb des First Responder Goldach einstimmig vom Gemeinderat genehmigt.

 

Schon einige Jahre zuvor wurden einige Feuerwehrmitglieder zu „Feuerwehrsanitätern“ ausgebildet. Diese medizinische Grundausbildung beinhaltet erweiterte Erste-Hilfe Maßnahmen wie z.B. bei schweren Verletzungen, insbesondere aber die Herz-Lungen-Wiederbelebung und die Frühdefibrillation. Die Ausbildung umfasst 80 Std.

Des Weiteren finden sich unter den First Responder-Gruppe, die aus Mitgliedern der Feuwehren Goldach und Hallbergmoos besteht,  mittlerweile 3 Rettungssanitäter (520 Std. Ausbildung) und 4 (Lehr-)Rettungsassistenten (2-jährige Ausbildung).

 

Rund 150 Einsätze werden pro Jahr gefahren. Das Einsatzspektrum ist außerordentlich breit gefächert. Zur medizinischen Versorgung des Patienten gehören Basismaßnahmen, wie z.B. die richtige Lagerung des Patienten, Erfassung von Blutdruck und Blutzucker, Sauerstoffgabe, Wärmeerhalt, Betreuung oder im schlimmsten Fall das Einleiten von Wiederbelebungsmaßnahmen bei einem Herzkreislaufstillstand. Zu den weiteren Aufgaben des First Responder zählt aber auch das Lotsen von Rettungs- bzw. Notarztfahrzeugen, das  Zubringen der medizinischen Rettungshubschrauberbesatzung an den Einsatzort, sowie die schnelle Lageerkundung und Nachforderung von weiteren Rettungsfahrzeugen.

Auch bei der Betreuung von Angehörigen oder Zeugen kann die Feuerwehr das Rettungsdienstpersonal entlasten.



Als Einsatzfahrzeug stand zunächst ein Mehrzweckfahrzeug (MZF) auf Basis eines MB100 zur Verfügung. Von Oktober 2009 bis Oktober 2014 wurden die Einsätze mit dem neuen MZF, einem Mercedes Sprinter 315 CDI gefahren. Bedingt durch die hohen Einsatzzahlen konnte das MZF seine ursprünglichen Aufgaben als Feuerwehr-Fahrzeug nicht mehr voll gerecht werden. Deshalb steht seit  November 2014 der Feuerwehr Goldach ein reines First Responder Fahrzeug zur Verfügung - „Florian Goldach 79/1“.

Florain Goldach 79/1

Bei der Beschaffung wurden u.a. folgende Kriterien angesetzt:

  • Automatikgetriebe zur Entlastung des Fahrers
  • Erhöhte Sitzposition zur besseren Übersicht bei Alarmfahrten

Seitens des Gemeinderats wurden für Fahrzeug inkl. Ausbau und Beladung Finanzmittel i.H.v. 50.000 Euro freigegeben. Der angesetzte Finanzrahmen konnte eingehalten werden.

 

Speziell für die First-Responder Kräfte finden quartalsweise Übungen und zweimal jährlich Herz-Lungen-Wiederbelebungs Übungen einschließlich Frühdefibrillation statt.

 

Heute ist der First Responder nicht nur ein fester Bestandteil der Feuerwehr Goldach, sondern auch bei den Bürgern in Hallbergmoos. Der First Responder hat immer für schnelle Hilfe gesorgt und schon viele Leben gerettet oder schwere gesundheitliche Schäden verhindert.

 

Der First Responder der Freiwilligen Feuerwehr Goldach ist 365 Tage im Jahr, 24 Stunden rund um die Uhr einsatzbereit. Wie alle aktiven Mitglieder der Feuerwehr Goldach, leisten auch die First Responder Kräfte ihren Dienst komplett ehrenamtlich und unentgeltlich in ihrer Freizeit.

 

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